Gleichmacherei vs Gleichwertigkeit
Wir leben in einer Zeit des Mangels: Fachkräfte fehlen, Budgets werden knapper, Unsicherheit wächst. Viele Unternehmen reagieren reflexhaft – sie sparen. Oft überall gleichzeitig.
Doch genau das ist der Fehler.
Denn: Gleichmacherei zerstört Systeme. Gleichwertigkeit erhält sie.
Was ist Gleichmacherei?
Gleichmacherei bedeutet, alles gleich zu behandeln.
Bei Einsparungen: überall proportional kürzen, ohne Unterscheidung von Funktion und Bedeutung.
Das klingt gerecht – ist aber gefährlich.
Was ist Gleichwertigkeit?
Gleichwertigkeit berücksichtigt Bedeutung, Funktion und Wirkung.
Unterschiedliche Elemente werden nicht gleich behandelt, sondern in ihrer Wertigkeit verstanden und entsprechend unterstützt.
Es geht nicht um Gleichheit – sondern um Ausrichtung am Ganzen.
Der Körper: Ein intelligentes Vorbild
Wenn wir unserem Körper zu wenige Kalorien oder Nährstoffe zuführen, reagiert er intelligent – und ungleich. Er sagt nicht: „Wir sparen überall 20 % ein.“
Stattdessen priorisiert er:
-
Leber & Gehirn → weiter gut versorgt
-
Haar- & Nagelwachstum → wird reduziert
-
Muskulatur → wird abgebaut
Warum?
Weil der Körper versteht, was überlebenswichtig ist – und was nicht. Das ist Gleichwertigkeit in Aktion. Würde der Körper gleichmachen, also überall gleichermaßen sparen, würde er sterben.
Übertragung auf Unternehmen
Unternehmen sind ebenfalls lebendige Systeme.
Und auch sie stehen heute häufig vor der Frage:
„Wo sparen?“
Die häufige Antwort: „Wir sparen überall ein bisschen.“
Das ist Gleichmacherei und sie führt – wie beim Körper – zu systemischer Schwächung.
Warum?
Weil nicht alle Bereiche dieselbe Funktion für das Überleben haben.
Ein Beispiel:
Marketing kürzen, während der Markt sich verändert führt dazu dass
- Sichtbarkeit sinkt
- Relevanz abnimmt
- Neue Kunden ausbleiben
- Der Engpass sich verstärkt
Man wollte das System schützen – und hat es stattdessen geschädigt. Gleichmacherei ist keine Lösung. Sie ist ein Risiko.
Gleichwertigkeit im Unternehmen
Gleichwertigkeit bedeutet, das Unternehmen als System zu verstehen:
- Was hält uns am Leben?
- Was erzeugt Wert?
- Was stabilisiert uns langfristig?
- Was ist kurzfristig verschmerzbar?
Ein gleichwertiger Umgang drückt sich aus über:
- Den jeweiligen Wert in Bezug auf das Ganze
- Vielfalt in der Einheit des Unternehmens
- Funktionale Ordnung
- Zukunftsfähigkeit
- Erfolgreiches Krisenmanagement
Nicht alle Bereiche haben die gleiche Wirkung auf die Zukunft.
Wenn Mittel knapp werden, müssen Bereiche unterschieden werden – nicht gleich behandelt.
Warum Gleichwertigkeit so schwer fällt
Weil Gleichmacherei einfach erscheint.
Sie wirkt:
- neutral
- fair
- konfliktarm
Aber sie blendet aus, dass Systeme nicht symmetrisch funktionieren.
Gleichwertigkeit dagegen verlangt:
- Bewusstsein
- Orientierung
- Mut zu Entscheidungen
- Klarheit darüber, was wesentlich ist
Das ist unbequem – aber wirkungsvoll.
Führung entscheidet
Gleichwertigkeit ist keine mathematische Logik, sondern eine Führungsaufgabe. Sie verlangt Systemverständnis. Führungskräfte müssen entscheiden:
„Was braucht unser Organismus heute, um morgen noch leben zu können?“
Das heißt:
- Prioritäten setzen
- Unterschiedliche Funktionen wertbezogen betrachten
- Ressourcen differenziert steuern